„Wir müssen zuerst eine KI-Strategie entwickeln." Diesen Satz hören wir oft — und meistens ist er der höflichste Weg, nichts zu tun. Nicht aus Faulheit, sondern weil das Wort „Strategie" eine Grösse suggeriert, vor der man verständlicherweise zurückschreckt.
Das Problem mit dem Wort
„Strategie" klingt nach Workshop-Reihen, nach einem Foliensatz, nach einem Lenkungsausschuss. Es klingt nach etwas, das Monate dauert und am Ende in einer Schublade liegt. Und genau so läuft es oft: Die KI-Strategie wird zum Projekt, das das eigentliche Anfangen ersetzt.
Das Paradoxe daran: Sie können eine KI-Strategie gar nicht sinnvoll planen, bevor Sie KI benutzt haben. Sie wissen noch nicht, wo sie in Ihrem Betrieb wirklich greift, wo das Team mitzieht, wo die Daten taugen. Diese Erkenntnisse entstehen im Tun, nicht im Strategiepapier.
Die meisten KI-Strategien sind teurer Aufschub mit Diagrammen. Drei laufende Aufgaben sagen Ihnen mehr als dreissig Folien.— Ivo Hochreutener, KI Freunde
Drei Aufgaben statt 30 Folien
Was ein KMU am Anfang braucht, ist keine Strategie, sondern eine Auswahl. Drei konkrete Aufgaben, die folgende Bedingungen erfüllen:
- Sie kommen häufig vor — täglich oder wöchentlich, nicht zweimal im Jahr.
- Sie kosten heute spürbar Zeit — und diese Zeit ist messbar.
- Ein Fehler ist verkraftbar — kein regulatorisches Minenfeld für den ersten Versuch.
Sobald Sie drei solche Aufgaben benennen können, haben Sie alles, was Sie für den Start brauchen. Das ist keine Vereinfachung — das ist die Reihenfolge, in der es funktioniert.
Wenn Sie eine Aufgabe nicht in einem Satz beschreiben können, ist sie noch nicht reif für den ersten KI-Versuch. „Offert-Entwürfe schneller formulieren" taugt. „Insgesamt effizienter werden" taugt nicht.
Der Termin in zwei Wochen
Der zweite Teil ist noch wichtiger als die drei Aufgaben: ein Datum. Ein Termin in zwei Wochen, an dem die erste dieser Aufgaben tatsächlich mit KI-Unterstützung läuft — nicht geplant ist, sondern läuft.
Ein Termin zwingt zur Konkretheit. Er verhindert, dass aus dem Anfang wieder eine Strategie-Diskussion wird. Und er erzeugt das einzige, was wirklich überzeugt: ein Ergebnis, das man anfassen kann. Aus drei laufenden Aufgaben lernt eine Geschäftsleitung in einem Monat mehr über ihren KI-Weg als aus jedem Strategiepapier.
Wann eine echte Strategie zählt
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Es gibt einen Punkt, an dem eine richtige Strategie nötig wird. Wenn KI von einzelnen Aufgaben zu einem Teil Ihrer Produkte oder Kernprozesse wird, wenn grössere Investitionen oder Architekturentscheide anstehen, wenn mehrere Abteilungen koordiniert werden müssen — dann lohnt sich der grössere Rahmen.
Aber dieser Punkt kommt nach den ersten laufenden Aufgaben, nicht davor. Die beste Vorbereitung auf eine KI-Strategie ist, drei Wochen lang KI benutzt zu haben. Fangen Sie klein an, mit einem Datum. Die Strategie schreibt sich danach fast von selbst.
Alle zwei Wochen ein neuer Beitrag.
Notizen zu KI, Tools und Schweizer KMU — gegengelesen von zwei Kollegen, bevor wir abschicken.
